Redewendungen, die nicht mehr taugen

In Schweden gibt es jede Menge Redewendungen, die Menschen, die Schwedisch lernen, rätselhaft erscheinen. Manche sind eher modern und beziehen sich auf einen Film oder vielleicht ein Lied, manche gibt es seit Menschengedenken. Wo sie ihren Ursprung haben, ist nicht immer sofort einleuchtend, aber was sie bedeuten, meistens schon.

Wenn du zum Beispiel jemanden sagen hörst, dass er ein Ziegenauge auf etwas geworfen hat, kasta ett getöga på något, hat er nicht tatsächlich mit animalischen Produkten um sich geworfen, sondern er meint, er hat sich etwas flüchtig angeschaut. Wenn jemand sagt, er ist fröhlich wie eine Lerche, glad som en lärka, denkt er vermutlich gar nicht an den kleinen, beigen Vogel der Gattung Sperling, sondern will nur anschaulich machen, wie sehr er sich freut.

Leider gibt es auch Formulierungen, die man einfach zu oft gehört hat und die dadurch ihre Wirkung verloren haben. Wenn ich in einer Stellenanzeige lese, dass jemand für sein Fach oder den Beruf brennen soll, brinna för något, hat das für mich einen schalen Beigeschmack. Nicht weil ich glaube, dass die Firmen allesamt Brandstifter suchen, sondern weil ich finde, dass brinna för något zu sehr nach bli utbränd, verbrannt werden, klingt. Das wiederum ist auf Schwedisch eine Formulierung für einen Burnout.

Redensarten, wie die oben genannten, machen die Sprache bunt und lebendig und zeigen außerdem, dass du dich in der Sprache gut auskennst.

Aber manchmal verlieren klassische Sprichwörter ihre Aktualität und können in der heutigen Welt nicht mehr gut genutzt werden. Ein laufendes Projekt würde vermutlich keiner mehr mit den Worten: Det går som tåget!, es läuft wie ein Zug, beschreiben wollen. Als die Eisenbahn neu war, ging es natürlich viel schneller voran, als mit den bis dahin üblichen Pferdekutschen. Dank der Gleise lief es auch viel sicherer, als auf matschigen, ungeteerten Wegen durch den Wald und so lange nur genügend Kohle vorhanden war, konnte eigentlich nichts passieren. Aber seitdem ist leider einiges passiert… Die Züge in Schweden haben Probleme mit der Pünktlichkeit, ob es an den teils privatisierten Strecken, an mangelndem Unterhalt oder an den klimaveränderungsbedingten Wetterumständen liegt, weiß ich natürlich nicht, aber das Sprichwort, Det går som tåget, und das verwandte, Det går som på räls!, sind nicht mehr gut einsetzbar.

Den Ausdruck, som ett brev på posten, wie ein Brief von der Post, habe ich, seit Postnord den Postverkehr übernommen hat, nicht mehr benutzt. Es soll etwas sehr Sicheres bedeuten, und das ist ja nicht wirklich, wie man die Arbeit des Konzerns beschreiben möchte. Ich erinnere mich allzu gut daran, als ich meinem Sohn im November einen selbstgebastelten Adventskalender zu seinem Studienort in Växjö schickte. Ich habe horrendes Geld bezahlt, damit er pünktlich beim Sohnemann ankommt. Zwischen Weihnachten und Neujahr kam es alles wieder zurück und ich musste noch einmal für den Versand bezahlen. Das Geld wurde mir, ehrlicherweise, zurückerstattet, aber ein Adventskalender nach Weihnachten macht einfach keinen Sinn und darüber ärgere ich mich immer noch!

 

Vokabelhilfe

Det går som på räls!         Es läuft wie auf Gleisen!